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Sollten Sie, lieber Leser und Pfalzfreund, einmal hier in Kaiserslautern und Umgebung Urlaub machen oder auch nur für wenige Tage eine Wochenend-Verschnaufpause einlegen, dann dürfen Sie sich nicht nur am Beerewei(n)-Glas im Museum Eulenbis festhalten, nein, Sie sollten auch etwas für Ihre Gesundheit tun und sich ein wenig in unserem großen Naturpark "Pfälzer Wald" oder in unserer Streuobstwiesen-Landschaft ergehen. Und wenn Sie ein Sonntagskind sind, dann begegnen Sie dort bestimmt auch dem Pfälzischen Nationalvogel, der Elwetrittche - ein unvergeßliches Erlebnis! Aber wie gesagt, Sie müssen ein Sonntagskind sein. Nicht jedem, der so-mir-nichts-dir-nichts bei uns einfällt, ist das Glück hold. Elwetrittche sind sehr scheue Wesen und schon gar keine Exhibitionisten, die sich jedem zeigen. Am besten, Sie vertrauen sich einem erfahrenen Trittchen-Jäger an, der Sie ein wenig in die Geheimnisse der Trittologie einweiht. Und was der ihnen dann so im Laufe eines Spazierganges alles über unsere Trittchen erzählt, ist rein von Wahrheit. Doch denken Sie daran: wie bei vielen Wissenschaften ist auch die Trittchologie eine Glaubenssache. |
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| Noch einfacher, um diesem Tier auf die Schliche zu kommen, ist es, an einer Elwetrittche-Jagd teilzunehmen. Trittchen-Jäger treffen Sie bestimmt an jedem gut sortierten Pfälzer Stammtisch, und es müßte mit dem heiligen Bacchus zugehen, wenn man Sie nicht zu einer Jagd einlädt, sobald die Brüder merken, daß Sie in Sachen Trittchen noch unerfahren sind. Dann viele meiner Landleute sind besonders erfreut und stolz, wenn sie Ihnen ihren Vogel zeigen dürfen.
Die beste Jagdzeit ist immer noch am Abend nach einigen Schoppen (wohlgemerkt, das ist bei uns ein ½ Liter!) Beerenwein und einem ausgiebigen Vesper. Denn ungestärkt sollte man sich solch einer Trittchen-Safari doch nicht hingeben; diese Nächte können verdammt lange werden. Bestimmt wird man Ihnen die große Ehre antun und Sie als "Fänger" einteilen. Diese Auszeichnung dürfen Sie auf keinen Fall abschlagen. Als Jagd-Utensilien benötigt man einen großen Grumbeersack (=Kartoffelsack) und eine "Lozern" (= Stall-Laterne), denn Trittchen werden durch Licht angelockt. Und schon ist man "jagdbereit"! Mehr sei nun nicht verraten - lassen Sie sich überraschen! Sie werden Ihre helle Freude an solch einer Jagd haben, insbesondere, wenn Sie "recht froh und wohlgemut" einen guten Fang gemacht haben, - wie weiland Heinrich der Vogler. Der soll ja einer der ersten Fänger gewesen sein, mit dem seine pfälzischen Knappen solch eine Jagd veranstaltet haben. Unbedingt müssen Sie bei Ihrem Pfalzbesuch einen kurzen Abstecher zum "Elwetrittchen-Brunnen" nach Neustadt/Weinstr. machen. Der erste seiner Art steht im Dahner Stadtpark, weil dort die großfüßige "Wasgau-Trittche" (lat. "in pino palatina saxo montana tritche bisex") gesichtet worden sei. Aber nix gewisses weiß man nicht! Die "Trittchen-Mauser" erstreckt sich über einige Wochen, in denen die Flugfähigkeit des scheuen Tieres durch Abwurf seiner Schwungfedern stark herabgesetzt sei. In dieser Zeit verbirgt sich z. B. die "Streuobstwiesen-Trittch" in den großen und alten Bäumen unserer Westpfalz. Wer dann auf Jagd geht, wird oft vergebens mit Sack und Laterne auf einen Fang warten. Zwischen Maria Lichtmeß und Gründonnerstag hat die Trittch ihre Hauptbrunstzeit: in dem Zustand starker geschlechtlicher Erregung erfolgt die Paarung, doch erst nach einem ausgedehnten "Liebesgeflüster". Das Männchen wirbt unter Aufbietung seiner vollen Liebenswürdigkeit um das Weibchen, oft durch Singen oder Rufen wie "Uuuuiiiuuuuuiu" oder durch einen zierlichen Tanz, dem "Trittchen-Twist". Werden die meisten wild lebenden Tiere nur einmal im Jahr brünstig, verzeichnet man bei den Trittchen neben der "Haupt-Brunstzeit" = "Zufalls-oder Gelegenheitsbrunst". Dabei ist die Werbung sehr stürmisch, und der männliche Trittcherich jagt stundenlang hinter der weiblichen Trittchinchen her. Da kann es leicht vorkommen, daß denn beide, die Gefahr nicht achtend, in einen aufgestellten Sack eines Jägers laufen, geblendet auch von dem Lichtschein, und dort jäh mit ihrem Liebesgetue aufhören müssen. Da es bei den Trittchen mehr Männchen als Weibchen gibt, wird es erklärlich, daß beständig einzelne Junggesellen oder Witwer umherstreifen, in der Absicht eine Gattin zu suchen, und es läßt sich entschuldigen, daß diese dann auf die Heiligkeit der Ehe nicht immer die gebührende Rücksicht nehmen. Circa sieben Tage nach der Begattung legt das Weibchen, in der Regel zwischen fünf und neun Uhr in der Frühe, seine 10 bis 12 "Stop-Eier".. Die ersten Sonnenstrahlen wirken ein, und die bis dato gelblich-weißen Eier färben sich im Nu hellbraun bis schwarz-grün, der Farbe der "Streuobstwiesen" angepaßt. Jetzt dauert es zwischen vier und acht Tage - je nach Intensität des Brutvorganges von Weibchen und Männchen, das auch neben der Futtersuche für die junge Wöchnerin tüchtig mithelfen muß, die mit Vorliebe den "Pörrbacher Gewürzapfel" schnabuliert - und eine neue Generation von Trittchen beginnt den Pfälzer Wald und die Streuobst-wiesengegend zu bevölkern. Und nun wünsche ich Ihnen mit einem herzlichen "Trittch-Trittch" einen schönen Pfalz-Urlaub und viel Jagdglück! |
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